Förderverein
Bildung für Kranke
Kinder und Jugendliche
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Julia

Leben mit Diabetes

Ich heiße Julia und bin 15 Jahre; im Alter von 11 Jahren habe ich Diabetes bekommen. Eigentlich kann ich mir heute kaum mehr vorstellen, wie es wäre, wenn ich nicht dauernd bedenken müsste, dass sich jede Aktivität und jeder Bissen auf den Blutzucker auswirken könnte. Trotzdem ist mir der Diabetes im letzten Jahr furchtbar auf die Nerven gegangen. Das lag aber nicht an der Behandlung, sondern daran, dass sich jeder berufen fühlte, mir zu sagen, was ich als Diabetikerin zu tun und zu lassen hätte. Vor allem meine Eltern, die mir zu Beginn des Diabetes viel geholfen und abgenommen haben, glauben immer noch, ich sei ein Kleinkind und absolut hilflos. Jedenfalls fühle ich mich so behandelt. „Julia, hast du genügend Traubenzucker dabei? Julia, wie war der Wert heute morgen? Warum war der denn so hoch? Hast du heimlich wieder etwas gegessen? So hör’ doch Kind, wenn man dir etwas rät; wir wollen doch nur dein Bestes!“ Diese Sätze kenne ich schon auswendig, und sie nerven mich von Tag zu Tag mehr. Ich habe meinen Eltern dann oft absichtlich nicht gesagt, wenn ich die Insulindosis geändert habe oder der Blutzucker zu hoch war, weil ich endlich meine Ruhe haben wollte. Auch, dass für mich immer extra etwas organisiert wurde und meine Eltern alle möglichen Leute über meinen Diabetes informierten, hat mich aufgeregt. Wenn ich von Freunden eingeladen wurde, haben sie deren Eltern angerufen, um mit ihnen über meine Krankheit zu sprechen. Das Ergebnis war, dass ich schon wieder in einer Sonderrolle steckte. Ich hatte das Gefühl, dass jeder Bissen, den ich zu mir nahm, registriert wurde. Außerdem haben die meisten Leute keine Ahnung von Diabetes und stellen Fragen: „Dürfen Diabetiker denn auch Süßigkeiten essen? Nimm doch lieber die „Du darfst“ – Margarine, die darfst doch auch du essen?“ Diese vielen kleinen Ärgernisse haben mich immer aggressiver gemacht und an meinem Selbstwert gekratzt. Ich gab mir zunächst Mühe mit dem Diabetes, aber dann hatte ich längere Zeit überhaupt keine Lust mehr! Doch versuche ich jeden Tag aufs Neue, mich mit dem Diabetes auseinander zu setzen. Jedes Mal höre ich die Stimmen der Ärzte und Eltern: „Wenn du nicht auf den Diabetes hörst, wirst du nicht lange gesund bleiben.“ Es ist wie eine Bedrohung. Mit Hilfe der psychologischen Beratung ist es mir dann doch allmählich gelungen, den Diabetes als Teil von mir anzunehmen. Als Teil von mir, den ich nicht mag, der aber da und einfach nicht mehr wegzudenken ist. Jetzt gibt es Phasen, in denen ich den Kram (Blutzuckermessen, Spritzen) einfach schnell hinter mich bringen will; dann gibt es Phasen, in denen ich es sogar ganz spannend finde, welche Werte herauskommen, wenn man eine Einheit mehr oder weniger Insulin spritzt.

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